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Zum GBS-Projekt Sentience Politics: Beda Stadlers Replik

on 5. April 2014

Beda Stadler antwortet hier auf unseren offenen Brief – Ausgangspunkt war die Diskussion um das GBS-CH-Projekt Sentience Politics.

  1. Zu: Lieber Beda!
  2. Zu: Tierrechte in der GBS
  3. Zu: Allgemeiner: Politische Rationalität in der GBS
  4. Zu: „Das Verhalten der Mehrheit ändern“?
  5. Zu: „Religiöser Eifer“?
  6. Zu: „Verbotskultur“?
  7. Zu: Selbst-Nudging für mehr Freiheit!
  8. Zu: „Lustfeindlichkeit“? Nein: Lust für alle!
  9. Zu: Das Ziel der GBS: Heidenspass statt Höllenqual für alle im Diesseits!

 

Lieber Adriano, liebe Jungs

Erlaubt mir diese Anrede, da sich auf eurer Facebook-Seite vor allem Männer tummeln. Damit wir nicht noch ein zusätzliches Genderproblem kriegen, hier einfach einmal die Feststellung, dass Jungs auch für die Girls gilt. Seit langem beaugapfle ich euch mit Stolz und Freude. Ich finde es grossartig, dass ihr euch derart engagiert. Zu meiner Studenten Zeit wäre eine solche Gruppe undenkbar gewesen. Nun, genug der Schmeicheleien. Ich habe festgestellt, dass eure Kritik mir gegenüber etwas netter geworden ist, was ich darauf zurückführe, dass ihr euch darin übt, auch etwas Humor zu haben. Es gibt ja wahrscheinlich keine Prioritätsliste für humanistischen Errungenschaften, über die wir uns sicher einig sind. Trotzdem hat jeder von uns seine eigene Prioritäten. Bei mir zuoberst steht nun mal, dass ich weder mich selber, noch andere besonders ernst nehmen will. Mich über die Irrationalität lustig zu machen, ist also mein erstes humanistisches Recht. Adriano, du schreibst zu viel und zu lang. Es ist verdammt mühsam, den Sinn all deiner Quervernetzungen einzusehen und darauf zu antworten. Trotzdem, ich gebe mir Mühe und versuche es:

Zu 1. Lieber Beda!

Ja, es stimmt, ich habe versucht, mich etwas zu distanzieren, nicht von eurem Grundziel des Tierwohls und der Tierrechte, aber von eurer Heftigkeit und der Idee, den Staat dafür einzuspannen. Die GBS ist ein ziemlich heterogener Haufen, und es gefällt mir dort unter anderem, weil wir eine grossartige Streitkultur haben. Bei den GBS-Treffen gibt es seit ein paar Jahren immer ein vegetarisches (bin nicht sicher, ob es wirklich vegan ist) und ein traditionelles Menü. Da beide jeweils keine kulinarischen Höhenflüge sind, nehme ich übrigens ab und zu auch das vegetarische. Das Wichtigste vorweg: Ihr benutzt den Brand GBS und erweckt den Eindruck, dass die Schweizer GBS Mitglieder bloss aus Veganern bestehen. Ich nehme nicht an, das dem wirklich so ist, vermute aber, dass die Omnivoren unter euch sich nicht trauen mitzudiskutieren oder dass ihr neue Mitgliedermit dank diesem Eindruck abschreckt. Ich bin zu hundert Prozent einverstanden, dass wir kein Recht haben, einem Tier ein Leid beizufügen. Zugleich bin ich aber der Meinung, dass ein Tier zu Tode kommen kann ohne, dass wir ihm ein Leid angetan haben. Solche Tiere würde ich gerne aus kulinarischen Gründen weiterhin in die Pfanne hauen dürfen.

Zu 2. Tierrechte in der GBS

Die GBS unterstützt, was ich grossartig finde, das Great Ape Project. Ich habe mich dort mehrmals dafür ausgesprochen, dass in einer nächsten Phase dies auf weitere höhere Säuger ausgedehnt werden sollte. Das GAP wird von Colin Goldner orchestriert, den ich sehr mag, aber trotzdem tut mir jedes Mal seine grosse Dänische Dogge leid, die ebenfalls vegan leben muss. Also, ich habe keine Probleme mit Speziesismus, wenn man einen gangbaren Weg sucht, diese Ziele zu erreichen. Höre ich aber von euch Veganern, dass ihr nicht mal Honig esst, dann finde ich, ihr erweist der Sache einen Bärendienst. Wie kann man eine Biene und einen Delphin auf die gleiche Stufe setzen? Im Weiteren schlägst du mir Dinge um die Ohren, die ich nie gesagt habe, die ich nie in der Art gemeint habe, sondern ganz im Gegenteil, ich habe ausdrücklich gesagt, wir müssen unsere Tierhaltung überdenken. Worüber wir wirklich diskutieren müssen ist die Frage, ob wir das Recht haben, unter bestimmten Situationen ein Tier zu töten. Ich musste kürzlich leider meine Katze töten lassen. Ich durfte es nicht selber tun, weil Barbiturate nicht abgegeben werden. Die arme Katze war so krank, dass sich die Frage nicht stellte, ob ich sie essen soll. Aber ich möchte dich fragen, wie ich mich verhalten soll, würde ich einer Bärin mit Jungen unabsichtlich oder aus Dummheit in die Quere kommen? Wir wissen beide, was mit mir passieren würde, und ich würde mir die Freiheit nehmen, mich zu verteidigen (Ich bin zu dick um ein Wettrennen gegen eine Bärin zu gewinnen). Da ich leider zu feige war, damals Dienstverweigerer zu werden und ins Gefängnis zu gehen, kann ich schiessen und postuliere, ich hätte in dieser Situation ein Gewehr dabei (So blöd bin ich nun auch wieder nicht, dass ich unbewaffnet unter Bären spazieren gehe würde). Ich kann dir also versichern, da ich kein Christ bin und mich aufopfern möchte, dass ich versuchen würde die wütende Bärin zu erschiessen. Ich hätte also aus Selbstverteidigung einem mitfühlenden Wesen das Leben genommen. Das nächste Problem, das sich nun stellen würde sind die jungen Bären. Soll ich die „der Natur überlassen“, was ein mit grosser Sicherheit qualvoller Tod bedeuten würde, oder liegt es nun in meiner Verantwortung, auch die jungen Bären zu erschiessen. Ich würde es wahrscheinlich kaum übers Herz bringen, aber die armen Jungen trotzdem erschiessen. Nun kommt das nächste Problem. Vor mir liegen tote Bären und ich habe gehört, deren Fleisch soll ausgezeichnet schmecken. Soll ich die Bären nun kompostieren, anderen Viechern überlassen oder selber verzehren? Auch wenn du meinst, ich mache mich jetzt lustig über euch, Peter Singer war in einem Interview zu einem ähnlichen Thema sehr klar: Würde er einen überfahrenen Hund antreffen, gäbe es für ihn an und für sich keinen Grund, diesen Hund nicht zu essen. Also hier die Frage: ist Veganismus ein unverrückbares, ja quasi unfehlbares Ding, oder würdest du dich von mir zu einem Bärenbraten unter diesen Umständen einladen lassen? Es sind übrigens genau solche Fragen, welche die Fleischfresser interessieren: Würdet ihr Veganer einen Hirsch verzehren, der in freier Wildbahn mit einem Blattschuss, also schmerzlos und leidenslos erlegt wurde? Diese Beispiel stand ja bereits in meinem Artikel. Du hast es aber elegant überlesen…

Zu 3. Allgemeiner: politischer Rationalität der GBS

Dazu habe ich mich ja geäussert, aber du weigerst dich, darüber nachzudenken. Ich hab’s kurz zusammengefasst: Bio und vegan vertragen sich nicht. Mit anderen Worten, ich bin jederzeit zu haben für echte ökologische Lösungen, ob die dann der traditionellen Landwirtschaft, dem Biolandbau oder der Gentech-Agro zugeordnet werden ist mir egal, falls belegt werden kann, dass sie jeweils ökologischer sind als andere Verfahren. Weshalb euch die vegane Currywurst in der Bundeswehr dermassen freut, ist für mich unverständlich. Das Nachäffen von Fleisch durch Veganer finde ich besonders peinlich. Ich würde sofort eure Forderung unterstützen, neue Pflanzen zu kreieren, mit neuen Merkmalen, etwa eine ausgewogenere Aminosäure-Zusammensetzung oder die Expression von bestimmten Vitaminen, damit ein Teil der Veganer nicht ständig noch in die Apotheke rennen muss, um sich vegan ernähren zu können. Ja, und verdammt noch mal, die globale Nutztierproduktion ist ein Gräuel. Lasst mich endlich in Ruhe damit. Ich weiss das und habe das nie verteidigt. Ich bin aber genügend Optimist, dass ich mir vorstellen kann, dass man bestimmte Formen von Tierhaltung entwickeln könnte, die nicht mit Leiden des Tieres einhergehen.

Zu 4. Das Verhalten der Mehrheit ändern

Lieber Adriano, da haben wir vielleicht den grössten Widerspruch und Gegensatz. Es ist auch der Grund, weshalb ich die neueren Bücher von Sam Harris nicht mehr so schätze. Das Nudging lässt mir die Nackenhaare aufstehen, obwohl ich in einzelnen Bereichen sogar leider dafür bin, etwa bei der Organspende. Aber sonst bin ich ein durch und durch genudgter Mensch. Ich wurde katholisch und später von Jesuiten erzogen, kenne Nudging somit in und auswendig. Zudem führe einen Jahre langen Kampf gegen das BAG, wann immer es genau das tun wollte, weil ich den Kindermädchen Staat verfluche. Wenn mich jemand wirklich wütend machen will, braucht er mir nur zu sagen, ich sein ein Missionar. Nein, ich bin einzig und allein ein Selbstverteidiger. Ich wehre mich gegen Ansichten und vor allem Handlungen von anderen, wenn sie meine persönliche Freiheit einschränken. Daher sage ich auch oft, Religion und Pornographie sind für mich identisch, weil beide in die eigenen vier Wände gehören und nicht in die Öffentlichkeit. Jeder soll also tun und lassen können was er will, weil ich mir nie einbilden möchte, zu wissen, was gut für andere ist. Also, wir sind genau wieder beim Punkt, dass ihr den Kindermädchen Staat wollt (libertärer Paternalismus) und ich den Staat nur dort haben möchte, wo es um echte Solidarität geht. Das Selbst-Nudging trifft mich zudem doppelt. Habe ich doch mal 40 kg abgenommen und die Pfunde längst wieder gewonnen. Euch Veganern scheinen genau diese Gendefekte zu fehlen, die mich eben zum hoffnungslosen Schlemmer machen. Solltet ihr Menschen mit den gleichen Gen-Defekten wie ich zu Veganer überzeugen können, werdet ihr bald auch dicke, ungesunde Veganer unter euch haben… Also, jeder der das Verhalten eines anderen ändern will, läuft in die Gefahr über den anderen Macht ausüben zu wollen. Macht hat mich nun wirklich nie interessiert. Ich nehme mir aber ein persönliche Recht heraus, mich besonders über Mitmenschen die Macht wollen, lustig zu machen. Meine kleine Rache war daher die Bemerkung mit dem „Fan-Club“.

Zu 5. Religiöser Eifer

Bei mir geraten alle Mitmenschen in die Schublade der religiösen Eiferer, wenn ich hinter ihrer Argumentation eine gewisse Unfehlbarkeit sehe. Mit Bio-Gläubigen kann man nicht diskutieren, weil sie unfehlbar sicher sind, dass Biogemüse sicherer, schmackhafter, gesünder, ökologischer und weiss was sonst noch sind. Sitzt mir ein Veganer gegenüber, der sich weigert Honig zu essen, kommt genau dieses Gefühl auf. Ich denke mir, dass dieser Mensch wahrscheinlich öffentliche Verkehrsmittel braucht, an deren Frontscheibe tausende von ähnlichen Insekten wie Bienen elend zugrunde gehen. Beisst er in sein Kernenbrot, denkt er wahrscheinlich keinen Moment daran, dass am Mähbaum Mäuse, junge Kaninchen, junge Rehkitze verendet sind, damit die vielseitigen Gräser und Körner den Weg ins „gesunde“ Brot finden. Es gibt einen weltweiten Kampf gegen Mäuse und Insekten (ähnlich komplex wie Bienen) um pflanzliche Produkte vor ihnen zu schützen. Dieses Bewusstsein gehört auch zum Veganismus. Als Biologe habe ich eben Probleme, wenn man den Begriff „empfindsam“ gleichermassen auf Menschenaffen und auf Insekten anwendet. Sollte die Welt einmal vegan sein, wird es trotzdem noch Tiere geben. Früher oder später müsst ihr Stellung beziehen, was ihr mit den Tierkadavern anstellen wollt. Ich finde es blöd, diese einfach zu verbrennen oder zu kompostieren. In Sichtweite meines Hauses wurden übrigens letztes Jahr sechs Schafe von einem Wolf umgebracht. Der Einzelgänger hätte diese sechs Schafe unmöglich alleine fressen können, selbst wenn man sie ihm überlassen hätte. Warum darf ein Veganer in dieser Situation keine Schaffellmütze daraus basteln? Siehst du, worauf ich hinaus will? Eure vor euch hergetragene moralisch konsequente Haltung wirkt nach aussen ziemlich religiös oder sektiererisch. Nun lieber Adriano, nice try, wenn du mich bittest zwischen Veganismus und dem Ziel von Sentience zu unterscheiden. Du weisst haargenau, dass mit unserem Ja/nein-System bei den Abstimmungen kein Mensch so differenziert wählen wird. Genau deshalb wählt ihr ja diesen Weg, darauf hoffend, dass die Anzahl Trittbrettfahrer mit ganz anderen Überzeugungen ebenfalls für euch stimmen werden. Ich hoffe nicht, du zwingst mich in nächster Zeit, euch als politische Bewegung zu betrachten, dann würde ich mich über euch vermehrt lustig machen, so wie ich dies hemmungslos über anderen Parteien tue.

Zu 6. Verbotskultur

Du wiederholst dich und weichst der Frage aus, ob es denkbar ist, Tiere zu halten oder zu züchten, ohne dass sie darunter leiden, oder dass es moralisch einwandfreie Situationen geben kann, die den Fleischkonsum ermöglichen. Eure Initiative wird von den meisten Bürgern als Salamitaktik verstanden und es werden wahrscheinlich viele genauso negativ darauf reagieren. Die Passivrauch-Lobby hat übrigens genau so argumentiert, als ob es ein Nebeneinander von Rauchern und Nichtrauchern geben würde. Was herausgekommen ist, ist eine Verbotskultur. Und da müsstet ihr schon noch mehr liefern um glaubhaft zu sein, dass ihr wirklich ein Nebeneinander wollt. In den Augen der Abstimmenden wird es nicht um Deine differenzierte Haltung gehen. Falls wir nächstens über den Gripen abstimmen werden, werde ich und viele andere Mitbürger grundsätzlich NEIN sagen, weil ich überhaupt keine Kriegswerkzeuge irgendwo haben will.

Unter 5. habe ich vergessen: Zu meiner Aussage,“ es ist nicht bewiesen, dass eine vegane Ernährung gesünder ist“ Stellung zu beziehen. Aber es passt hier auch. Ganz im Ernst, weshalb sollte es im Magendarmtrakt dermassen wichtig sein, woher letztlich die Aminosäuren, die Fette, die Vitamine, die Salze oder was auch immer stammt. Wer sich vielfältig ernährt, mit was auch immer, sei nun Fleisch dabei oder nicht, wird sicher nicht zu Schaden kommen. Die Menschheitsgeschichte ist ein verdammt guter Beleg dafür. Wenn man versucht wieder zu behaupten, dass vegan gesünder sein, dann müsste man nicht nur ein paar Studien zum Ärmel heraus zaubern können. Du weisst, es gibt nichts zweideutigeres als Ernährungsstudien. Es gibt hier beinahe mehr Irrlehren als Ernährungsformen, denk nur an das French Paradoxon, an die mediterrane Küche, bis zur japanischen Küche, die lalle als besonders gesund galten. Nichts von all dem konnte je wirklich belegt werden. Spezielle Ernährungsformen sind oft gepaart mit Sekten oder sektiererischem Auftreten. Die Cornflakes wurden von Dr. Kelloggs, das Graham-Brot von Dr. Graham erfunden und ich habe eine halbe Jugend unter den Produkten von Dr. Bircher gelitten. All diese religiösen Sektierer wollten ihre Überzeugungen festigen mit der Behauptung, ihre vorgeschlagene Ernährungsform sei auch gesünder. Wer nochmals behauptet, veganes Essen sei gesünder, kann mir höchsten ein müdes Lächeln im Sinne eines Déjà-vu abgewinnen.

Zu 7. Selbstnudging für mehr Freiheit

Dieser Paragraph erinnert mich sehr an unsere jetzige Bundesrätin Sommaruga, die damals gesagt hat, „genfrei“ bedeute, nicht belästigt zu werden durch das Vorhandensein von gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln. Sie wolle keine Zwangsernährung mit Genfood. Ich leide derzeit unter einer Zwangsernährung mit Bio. Versuch mal, z.B. Pinienkerne, die nicht Bio sind, zu kaufen! Ich werde mit Bio tagtäglich ge-nugded. Es fehlt nur noch, dass ich selber mit dem nudgen anfänge… Diese Art von Verbotskultur habe ich zu Genüge in Amerika erlebt, wo es eine Zeitlang praktisch unmöglich war, auf einem Tisch noch einen Salzstreuer zu finden. Wenn du in Amerika einen Kaffee Crème willst, musst du einen grausligen Creamer runterschlucken. Ich weiss, dass euch in der Zwischenzeit diese Vegetable-Creamer besser schmecken, mir aber nicht. Ja, und ich weiss auch, dass es für die Kühe nicht lustig ist, wenn man ihnen ständig an den Brüsten herumzerrt, um die Milch rauszukriegen. Trotzdem weiss ich, dass die Milchkuh einen hohen folkloristischen und historischen Wert für die Schweiz hat. Zudem war ich genügend in Kuhställen um zu wissen, dass die modernsten Melkmaschinen eigentlich kaum mehr schmerzhaft sind. Und ich weiss, dass du hier meine Inkonsequenz wieder genüsslich ausnutzen wirst.

Zu 8. Lustfeindlichkeit. Nein Lust für alle!

Es hat mich gar nicht gefreut, wie ihr einen meiner Lieblings-Philosophen, nämlich Robert Pfaller, uminterpretiert. Meiner Meinung nach hat trotzdem er recht, und du kannst dir die Finger wund schreiben, ich werde am Schluss bei Pfaller mehr Hedonismus entdecken als bei eurer Initiative. Zudem glaube ich dir nicht wirklich, dass du ein Lustapostel bist. Deine Bemerkungen zu “omnisexuell” habe ich geflissentlich überlesen! Ich habe genug Freunde, die behaupten, aus Verzicht Lust gewinnen zu können. Das funktioniert bei mir nicht. Wie gesagt, ich warte darauf, dass neue Tierhaltungsformen entwickelt werden, damit ich ohne schlechtes Gewissen ab und zu eine Wurst verdrücken darf. An den Himmel glauben wir beide ja nicht. Dort soll Lust für alle herrschen. Hier auf Erden stören sich einige Mitmenschen an meiner Lust zu Paffen. Lust für alle geht nicht, solange es Menschen gibt, die auch mal Lust auf Unlust haben.

Zu 9. Das Ziel der GBS: Heidenspass statt Höllenqual

„Being proven wrong is like winning the lottery“ ist ein totaler Unsinn, weil ich dann tagtäglich Multimillionär würde. Mir muss niemand beweisen, dass ich unrecht habe, weil ich mir das tagtäglich selber antue. Aber in deinem langen Artikel, durch den ich mich gekämpft habe, herrschte der Eindruck vor, dass der liebe Mannino wahrscheinlich die Lotterie nie gewinnen wird. Und nochmals, weil du es sonst wahrscheinlich nicht verstehen, nicht lesen und wieder umdrehen wirst: Ich unterstütze eure Ziele im Tierschutz, kann aber aufgrund meines schwachen Willens und meiner Verachtung für den Kindermädchen-Staat eure konsequente Haltung bloss mit einem Lächeln bewundern. Vielleicht erinnerst du dich: Meine wichtigste humanistische Errungenschaft ist, nicht alles ganz so ernst zu nehmen und auch mal die Fünf als gerade zu akzeptieren. In meinem Freundeskreis gibt es sehr religiöse Menschen. Das klappt gut, weil sie nicht jede meiner Äusserungen auf die Goldwaage legen. Sie wissen aber, dass ich ein Selbstverteidiger bin und mit giftigen Äusserungen zu rechnen ist, wenn sie beginnen, meine persönliche Freiheit mit Machtansprüchen zu beschneiden.

Hier noch ein PS zur Erbauung der GBS Schweiz: Ich bin der Meinung dass Moral bald keine philosophische Frage mehr sein wird, sondern eine messbare naturwissenschaftliche Einheit. Eure moralischen Ansichten könnten etwa den Serotonin Spiegeln unterworfen sein. sieh dazu Molly Crockett:

Evolutionär humanistische Grüsse

Beda Stadler

Serie: Zum GBS-Projekt Sentience Politics

  1. Lieber Beda Stadler!
  2. Beda Stadlers Replik
  3. Lieber Beda Stadler! Replik II