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Tamiflu ist nur die Spitze des Eisbergs

on 1. Februar 2013

Über sieben Milliarden Dollar wurden bisher mit dem Grippemedikament Tamiflu (Oseltamivir) umgesetzt – ob es tatsächlich wie gewünscht wirkt, ist jedoch noch immer umstritten. Studien zur Wirksamkeit liegen vor, werden jedoch von Roche unter Verschluss gehalten. Nun wurde vertrauliche Korrespondenz ins Netz gestellt. Die Briefe offenbaren: Roche hat über Jahre hinweg mit fadenscheinigen Argumenten eine Hinhaltetaktik betrieben. Im Oktober 2012 fragte Fiona Godlee, Chefredaktorin des British Medical Journal: „What has Roche got to hide?

Für eine ausführliche Zusammenfassung der Ereignisse sei auf den entsprechenden Artikel im Skeptiker-Blog hingewiesen. In „Die Sache mit Tamiflu, oder: Warum schlechte Wissenschaft nicht nur «Alternativmedizin» betrifft“ beschreibt Marko Kovic nicht nur die Begebenheiten trefflich, er zieht auch ein Fazit, das für die Skeptiker- und Freidenkerbewegung konstruktiv sein könnte:

Ab und an mag der Eindruck entstehen, Skeptikerinnen und Skeptiker schiessten sich nur auf  «Alternativmedizin» ein und ignorierten Probleme in weniger anrüchigen Forschungsgebieten. Dem ist nicht so: Für medizinische Forschung müssen einheitliche Standards der Prüfung vermuteter Wirkungen eingehalten werden. Es gibt demgemäss auch keine Kategorien wie «Schulmedizin», «Alternativmedizin», «Komplementärmedizin», sondern nur Mittel und Verfahren, deren medizinische Wirksamkeit aufgrund der verfügbaren Datenlage gestützt ist, sowie Mittel und Verfahren, deren medizinische Wirksamkeit ungestützt oder gar widerlegt ist.

Wir haben bereits im Artikel über evidenz-basierte Medizin auf die Wichtigkeit unabhängiger medizinischer Forschung hingewiesen. Jede Form von Pseudowissenschaft, d.h. sowohl die Alternativmedizin als auch unwissenschaftliches Verhalten von Pharmakonzernen, sollte kritisiert werden – insbesondere wenn Milliardenbeträge auf dem Spiel stehen und das Leben und Wohlbefinden zahlreicher Individuen davon abhängen.