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Sollte man die Wahrheit über den Koran sagen?

on 28. Dezember 2014

schawinski thiel

I don’t really read the news. (See Rolf Dobelli’s piece on how it’s biased and how it biases you.) Aber nun hat’s „Schawinski vs. Thiel“ doch noch auf meinen Radar geschafft!

Thiel hat Recht: Der Koran ist über weite Strecken unerträglich. Wie das Alte Testament. (Einen sauberen Genozid z.B. bietet 4. Mose, 31). Thiel rettet sich aber immer auf das Neue Testament und den angeblich «nicht strafenden, sondern vergebenden, barmherzigen Gott» des Neuen Testaments. So einfach ist das leider nicht: Erst der Gott des Neuen Testaments hat die Idee der Hölle – der ultimativen Strafe, viel schlimmer als der Tod – etabliert. Psychologieprofessor Franz Buggle hat den «inhumanen Jesus» analysiert: 

«Da findet sich zunächst eine Trias aus einer auffälligen Tendenz zur Gewalttätigkeit, einer offenbar ungebrochenen Neigung zur Bejahung und Androhung extrem grausamer und unbarmherziger Strafen und einer als psychologische Wegbereitung dieser Strafpraxis dienenden undifferenzierten Anthropologie und Leistungsethik.»

Leistungsethik: Zum Beispiel im Gleichnis von den Talenten. Drei Knechte erhalten von ihrem Herrn Geld zur Verwaltung. Zwei erweisen sich als tüchtig, vermehren das Geld. Einer ist ängstlich – man hat Mitleid mit ihm –, versteckt das Geld und bringt es danach unvermehrt zurück. «Herr, ich wusste, dass du ein strenger Herr bist, … weil ich Angst hatte, habe ich dein Geld in der Erde versteckt. Hier hast du es wieder.» Die Reaktion des Herrn: «Werft den nichtsnutzigen Diener hinaus in die äusserste Finsternis. Dort wird er heulen und mit den Zähnen knirschen.» (Mt 25,24ff) Die Christen waren historisch oft gespalten – in eine „EDU“- und eine „EVP“-Fraktion. Das erstaunt nicht: Der Jesus des Neuen Testaments trägt sie beide in sich.

Thiel ist zudem Deontologe, was ins Auge gehen kann: «Man wird die Wahrheit [über den Koran] ja wohl sagen dürfen.» Nein: Schawinski stellt die richtige, utilitaristische Frage – viel wichtiger als alles Obige: Was zum Teufel bringt es, Öl in dieses religionskriegerische und kulturkämpferische Feuer zu giessen? Wo genau ist der Netto-Nutzen eines solchen Weltwoche-Artikels im Kampf gegen die globalen und lokalen Auswüchse des Islams? (Wenn du diese Frage nicht beantworten kannst, solltest du schweigen.) Sollte man nicht besser/nützlicher darüber schreiben, dass westliche Länder (Schweiz inklusive) den IS in den letzten Jahren mit insgesamt 125 Millionen Dollar Lösegeld aufgerüstet haben? Darüber, welche westlichen (Militär-) Aktionen die muslimische Jugend radikalisiert haben? Und darüber, wie man aufklärerische Information – die die Auswüchse der Religion in den Köpfen der Leute unterminiert – global und lokal möglichst effektiv streuen kann?