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REG: Mit Poker die Welt verbessern

on 26. Juni 2014

Raising for Effective Giving (REG) ist ein neues Projekt, das von der GBS Schweiz zusammen mit den sehr erfolgreichen Pokerspielern Philipp Gruissem, Liv Boeree und Igor Kurganov lanciert wurde. Im Englischen bezeichnet „raising“ sowohl das Erhöhen des Einsatzes (Poker), wie auch das Zusammentragen von Geld (z.B. für Wohltätigkeit). In der Pokersprache bezieht sich „reg“ (oder „regular“) auf jemanden, der regelmässig ein bestimmtes Pokerspiel spielt und vor dem man sich am Tisch deshalb eher in Acht nehmen sollte.

Poker ist für die GBS Schweiz ein passendes Thema, weil es sich hervorragend als Rationalitätstraining eignet: Es begegnen einem dabei viele Biases, die es für das möglichst erfolgreiche Spiel, d.h. zur Maximierung des Erwartungswerts zu vermeiden gilt. Mit REG wird zusätzlich zum Rationalitätsaspekt beim Poker nun auch eine Verbindung zu globalen Problemen und zur Ethik geschaffen: Es geht bei dem Projekt darum, PokerspielerInnen zu motivieren, einen erheblichen Anteil ihrer Gewinne an eine möglichst effektive Organisation zu spenden.

Image REG 3

Professionelle PokerspielerInnen haben ein gemischtes Image. Einerseits verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit den Verlusten anderer Menschen. Andererseits handelt es sich bei den erfolgreichsten Spielern keineswegs um gierige Abzocker. Im Gegenteil, Fairness wird im Poker gross geschrieben, so dass alleine das Ehrenwort bei sogenannten „proposition bets“, wo zwischen Spielern grosse Summen Geld auf alles mögliche gewettet werden, für die Verbindlichkeit genügt. Viele Pokerspieler sind auch bekannt für ihre Grosszügigkeit.

In letzter Zeit gab es vermehrt Turniere, bei denen beträchtliche Anteile des Preisgeldes an Hilfsorganisationen gespendet wurden. Am 29. Juni findet das nächste Turnier dieser Art statt: Das One-Drop-Turnier an der World Series of Poker, das mit einem Eintrittsgeld von einer Million Dollar voraussichtlich den bisherigen Rekord für das höchste Preisgeld bei einem Pokerturnier sprengen wird. Und dies, obschon von jedem Eintritt 111’111 Dollar nicht ans Preisgeld, sondern an die One Drop Foundation gehen, einem Wasser-Hilfsprojekt, das vom Cirque du Soleil-Gründer und Hobby-Pokerspieler Guy Laliberté ins Leben gerufen wurde.

Vor diesem Hintergrund dürfte es nicht überraschen, dass REG in der Pokerwelt auf viel Lob und reges Interesse gestossen ist. Gruissem und Kurganov veranstalteten im Januar dieses Jahres eine Spendenaktion, bei der sie bis zu 50’000 Dollar aus der Poker-Community (und darüber hinaus) zusammenbringen wollten, um den Betrag dann mit dem eigenen Geld zu verdoppeln. Gesammelt wurde für die Schistosomiasis Control Initiative (SCI) und für das GBS-Projekt Effective Altruism Switzerland (EACH). Der Kontakt zu EACH kam über den Schweizer Pokerspieler und GBS-Autor Stefan Huber zustande. Das Interesse an der Spendenaktion war so gross, dass sich sogar zusätzliche Leute fürs Verdoppeln meldeten, so dass am Ende 140’000 Dollar an die zwei Projekte verteilt gespendet wurden.

Motiviert durch diese erfolgreiche Aktion beschlossen Gruissem und Kurganov zusammen mit der GBS Schweiz ein Projekt zu lancieren, um den Ansatz des effektiven Spendens unter PokerspielerInnen bekannt zu machen. Was auf den ersten Blick wie eine ungewöhnliche Kombination aussieht, macht auf den zweiten viel Sinn: Die Fähigkeiten, die eine erfolgreiche Pokerspielerin ausmachen, lassen sich sehr gut auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Wer sich gewohnt ist, das Geld am Pokertisch möglichst gewinnbringend zu investieren, wird auch bei der Wahl von Hilfsorganisationen Wert darauf legen, dass mit der Spende möglichst viel erreicht wird.

Philipp Gruissem, der in Uganda die Schulkinder besucht hat, denen mit seiner Spende geholfen wurde, betont, dass er durch diesen neuen Fokus in seinem Leben glücklicher ist. Seine Motivation zum Spenden beschreibt er wie folgt:

In Uganda kann ich mit 2’000 Dollar 1’000 Menschen helfen. In Deutschland wird das schon bei einem schwer. Für mich sind alle Menschen gleich, also unterstütze ich die Projekte, die ich für die effizientesten halte.

Gruissem in Uganda

Für die Wahl von Hilfsorganisationen orientiert sich REG an den Empfehlungen der Organisation GiveWell, die Hilfswerke auf ihre Kosteneffektivität hin evaluiert. Indem man mehr Leute darauf aufmerksam macht, dass bei Hilfswerken riesige Unterschiede in Bezug auf ihre Effektivität bestehen, kann man vielleicht noch mehr Positives bewirken, als bei der direkten Unterstützung von wohltätigen Interventionen. Die Förderung von effektivem Spenden und Rationalität beim Angehen globaler Probleme sind Kernanliegen der GBS Schweiz. Deshalb werden REG-Mitglieder, die am Aufbau einer effektiven Spendenkultur interessiert sind, auch an die GBS Schweiz spenden können, sofern es vielversprechende Projekte gibt, denen es an Finanzierung mangelt.

Man könnte einwenden, dass es unmoralisch sei, durch Poker verdientes Geld anzunehmen. Es ist in der Tat problematisch, dass es sich beim Poker in der Regel um ein Nullsummenspiel handelt, bei dem die Gewinne der einen jeweils Verluste der anderen sind. Solange jedoch niemand mehr Geld einsetzt, als man es bequem verkraften kann, steht für viele Gelegenheitsspieler (wie bei einer Sportart) die kompetitive Spannung im Vordergrund, nicht das Geld. Das Problem ist, dass es auch Leute gibt, die ihre Ausgaben nicht unter Kontrolle haben und beim Pokern viel Geld verlieren. Hier sollten die Poker-Anbieter mehr Verantwortung übernehmen.

Es gilt jedoch zu betonen: Wenn jemand mit Poker den Lebensunterhalt verdient, dann ist es für die empfindungsfähigen Wesen in der Welt sicherlich massiv besser, wenn ein Anteil der Gewinne gespendet wird. Es ist erstaunlich, wie viel Positives man bewirken kann, indem man die eigenen Interessen und Mittel klug einsetzt. Auch das Entscheidpaket „Pokerspiel + Spende“ insgesamt scheint im Vergleich zur Alternative ethisch bedeutend besser: Es wäre unplausibel, zu behaupten, bei grossen Hilfeleistungen sei jede Mitverursachung von Übeln unzulässig. Menschenrechtliche NGOs zum Beispiel schaffen sich Computer an, in deren Herstellung menschenrechtswidrige Arbeitsbedingungen (ja Sklavenarbeit) eingehen. Folgt daraus, dass das Unterfangen aller gemeinnützigen NGOs ethisch insgesamt schlecht und unzulässig ist? Höchstwahrscheinlich nicht, im Gegenteil.

Ausblick

Am 2. Juli, im Rahmen der World Series of Poker, wird das REG-Projekt in Las Vegas offiziell vorgestellt. Adriano Mannino von der GBS Schweiz wird einen einführenden Vortrag halten. Schon im Vorfeld dieses Anlasses werden aber einige PokerspielerInnen mit einem REG-Patch („Abzeichen“) an die Pokertische gehen, und wenn sie Erfolg haben, wird REG schon in der einen oder anderen Live-Übertragung der Finalrunden dieser Pokerturniere zum Thema werden.

Mit REG soll sich ein Netzwerk von PokerspielerInnen bilden, die das Ziel haben, einen Teil ihres Erfolgs für einen (möglichst maximal) guten Zweck einzusetzen. REG wird auch in Zukunft an grösseren Turnier-Serien präsent sein und im Poker – und hoffentlich auch ausserhalb – für effektives Spenden Werbung machen. Die GBS Schweiz wünscht allen REG-Mitgliedern gutes Gelingen am Pokertisch!