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Hoffnung jenseits der Illusionen

on 23. März 2014

hoffnung_mensch_coverNach Michael Schmidt-Salomons Menschheitsverriss “Keine Macht den Doofen” ist nun seine Hommage an unsere oft verkannte Spezies erschienen.

„Es ist so leicht, Zyniker zu sein.“ Dieser Satz leitet das neue Buch ”Hoffnung Mensch“ von Michael Schmidt-Salomon ein, welches vor Kurzem am Sitz der Giordano-Bruno-Stiftung in Oberwesel vorgestellt wurde. Dass der Zynismus tatsächlich eine intellektuelle Verführung für all jene ist, die sich auch nur ansatzweise mit der menschlichen Geschichte beschäftigt haben, konnte der Philosoph in seinem zuvor erschienenen Werk ”Keine Macht den Doofen“ eindrucksvoll belegen.

Denn die Geschichte der Menschheit ist zu großen Stücken auch eine Geschichte der Unmenschlichkeit und Borniertheit. Gewalt und Unterdrückung zogen sich wie ein blutroter Faden durch ihre Chronik.

Doch ist es vernünftig Zyniker zu sein? Ist es vernünftig sich vorauseilend der Irrationalität der Welt zu beugen?

“Hoffnung Mensch” beleuchtet zwar die Sonnenseite unserer Spezies, beginnt jedoch zunächst sehr düster. Die Ausführungen über die Schwierigkeiten des Menschseins zeichnen das Bild einer gleichgültigen und absurden Welt, in der sich der Mensch zu behaupten hat. Das Bewusstsein um die eigene Vergänglichkeit – und der allen anderen Lebens auf der Erde – vermag uns in unserem narzisstischen Selbstverständnis zu kränken. Vergegenwärtigt man sich zudem die immense Ungerechtigkeit, mit der sich der Großteil der Menschheit konfrontiert sieht, scheint alle Hoffnung verloren zu sein.

Das Buch zeigt, dass diese Hoffnungslosigkeit aus selektiver Wahrnehmung resultiert. Zyniker sind auf einem Auge blind. Sie übersehen all die großen Meilensteine und kleinen Errungenschaften, die Menschen auf den Gebieten der Wissenschaft, der Kunst und der Philosophie erreicht haben – oder reden sie zumindest klein. Die Menschheitsgeschichte ist neben faszinierenden Erkenntnisfortschritten auch von einem harten und mutigen Emanzipations- und Gerechtigkeitskampf geprägt. Nicht weniger faszinierend sind die Kunstwerke, die das “sinnliche Tier” im Laufe der Zeit erschaffen hat.

All die Beispiele, welche im Buch für die Klugheit, die Phantasiebegabung, das Mitgefühl und den Humor des Menschen sprechen, sind dabei nie eine bloße Faktenanhäufung. Es ist eben gerade die interdisziplinäre Sicht auf unsere Spezies und das Gespür für Zusammenhänge, die das Buch so überzeugend machen.

Die Hoffnung, die Schmidt-Salomon meint, ist jedenfalls eine Hoffnung jenseits der Illusionen. Mit seinem leidenschaftlichen und zugleich versöhnlichen Plädoyer für den Glauben an die Menschheit meistert er eine Gratwanderung zwischen naivem Fortschrittsoptimismus und kühler Misanthropie. In keinem anderen Werk wurde eines so deutlich: Der evolutionäre Humanismus, den der Autor vertritt, ist auch eine Philosophie des Trotzdem. Es ist eine Philosophie, die zum Engagement für eine bessere Welt aufruft – ohne dabei die Augen vor den großen Hürden und Widrigkeiten des Lebens zu verschließen.

Im Ankündigungstext zur offiziellen Buchpräsentation wurde darauf hingewiesen, dass “Hoffnung Mensch” eine ähnliche Bedeutung für die Arbeit der Giordano-Bruno-Stiftung haben wird wie das 2005 erschienene “Manifest des evolutionären Humanismus”. Dies wird auch dem Anspruch der Stiftung gerecht, eine Denkfabrik zu sein und damit in avantgardistischer Manier eben solche Themen anzusprechen und zu überdenken, die noch nicht hinreichend problematisiert wurden. Das Buch dürfte dafür eine hervorragende Grundlage sein!

Quellenangabe
Dieser Artikel wurde ursprünglich von Florian Chefai bei Humanistischer Pressedienst publiziert.