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Haben wir Kontrolle über unsere Entscheidungen?

on 12. März 2014

“When it comes to the mental world, when we design things like health care and retirement and stock markets, we somehow forget the idea that we are limited. I think that if we understood our cognitive limitations in the same way that we understand our physical limitations … we could design a better world.”

– Dan Ariely

Worauf basieren unsere Entscheidungen – die weniger wichtigen, aber insbesondere auch die „grossen“ und folgenreichen Entscheidungen? Welche Kriterien evaluieren wir bei Entscheidungsvorgängen, und wie genau gehen wir dabei vor? Üblicherweise gehen wir davon aus, dass unsere Entscheidungen auf den von uns als entscheidungsrelevant wahrgenommenen Aspekten basieren. Weshalb auch nicht?

Tatsächlich suggerieren die Ergebnisse entsprechender wissenschaftlicher Experimente, dass dies keineswegs der Fall sein muss. Sind es also vielleicht oft vielmehr Faktoren, die wir prima vista als entscheidungsirrelevant betrachten würden, die unsere Handlungen – zu womöglich grösseren Teilen, als uns lieb wäre – bestimmen? Eine zentrale Einsicht der verhaltensökonomischen und -psychologischen Forschung ist der Fakt, dass wir die Qualität unserer Entscheidungsfindung generell deutlich überschätzen.
 Dan Ariely, Vehaltensökonom und Autor von Predictably Irrational, verwendet kognitive Illusionen, um aufzuzeigen, dass wesentliche Aspekte unsere Entscheidungsfindungsprozesse oft gar systematisch irrational sind. Damit knüpft er im Wesentlichen an die Forschung von Daniel Kahnemann an, den Entdecker der sogenannten „Biases“.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Einige Länder weisen Organspender-Quoten von (nicht selten) bis zu 100% auf, während andere Länder lediglich Werte von 28%, 12% oder (meistens) gar noch weniger aufweisen. Wie kann das sein? An kulturellen Unterschieden, wie man vielleicht vorerst vermuten könnte, liegt es nicht. Es lassen sich nämlich jeweils diverse kulturell homogene Länderpaare finden, die sich in der Spenderquote deutlich unterscheiden. Und ebenso gibt es auch zahlreiche Länderpaare, die kulturell heterogen sind, aber sehr ähnliche oder gar identische Bevölkerungsanteile von Organspendern aufweisen. Auch systematische öffentliche Ermunterungen zum Organspenspenden vermögen die Unterschiede nicht zu erklären. In einem Land wurde gar an jeden einzelnen Haushalt ein Brief mit der Bitte versandt, sich zur Organspende bereit zu erklären – und obwohl diese Massnahme durchaus eine gewisse Wirkung hatte, findet sich dieses Land in der Gruppe mit den vergleichsweise signifikant tieferen Werten. Woher rühren also diese beträchtlichen Unterschiede?

Die Erklärung liefert Dan Ariely in seinem TED Talk mit dem Titel “Haben wir Kontrolle übere unsere Entscheidungen?”. Nur so viel sei gesagt: Die Antwort findet sich in einem vermeintlich irrelevanten Detail. Dass diese „Kleinigkeit“ aber höchst folgenschwere Entscheidungen – schliesslich stehen dabei Leben auf dem Spiel! – zu beträchtlichen Teilen beeinflussen kann, wirft Fragen auf, und zwingt uns, an unserer generellen Entscheidungsqualität zu zweifeln. Die gute Nachricht ist: Wenn wir uns dieser systematischen Irrationalitäten bewusst werden, und uns antrainieren, sie als solche zu erkennen, dann können wir sie auch zu umgehen lernen. In dieser Hinsicht ist im Übrigen auch Dan Arielys Forschung motiviert.

Quellenangabe

Ariely, D. (2008). Predictably irrational. New York: HarperCollins.