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Giordano Bruno – kritischer Denker und Ketzer

GBS Schweiz on 17. Februar 2014

 

Wer richtig urteilen will, muss sich von der Gewohnheit des Glaubens frei machen, muss zunächst Behauptung und Gegenbehauptung für gleichermaßen möglich gelten und vollständig jede Voreingenommenheit fahren lassen, die ihm vom Mutterleibe an eingeimpft worden ist.

– Giordano Bruno

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Steckbrief eines Ketzers

* 1548 in Nola, Italien, 17. Februar 1600 in Rom; eigentlich Filippo Bruno; italienischer Philosoph und Gelehrter. Obwohl geweihter Priester und Dominikanermönch, bringt ihn seine Beschäftigung mit Philosophie und Naturwissenschaft in Gegensatz zum Christentum. Als Ketzer verurteilt, wird er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Der Lebensweg eines kritischen Denkers

Mit siebzehn Jahren tritt Filippo Bruno unter dem Namen Giordano in den Dominikanerorden ein. Als er 1572 die Priesterweihe erhält, hat er schon Zweifel an etlichen katholischen Glaubensinhalten.

Er verlässt den Orden und nimmt eine philosophische Wanderexistenz auf, die ihn durch eine Vielzahl von Stationen in ganz Europa führt. Aufgrund seiner Eloquenz findet er Anstellungen u. a. in Toulouse, Paris, London, Wittenberg und Prag, schafft sich aber mit seiner heftigen Kritik an christlichen Dogmen überall schnell Feinde und muss immer wieder weiter ziehen. Sowohl die Calvinisten in Genf als auch die Lutheraner in Wittenberg exkommunizieren den kritischen Geist.

Nach mehreren von Flucht gezeichneten Wanderjahren durch halb Europa (unter anderem verweilte er kurzzeitig auch in Genf und Zürich), wird er schliesslich 1592 – einer Einladung folgend – wegen eines Missverständnisses und politischen Spielen der Ketzerei angeklagt. Weil er sich weigert zu widerrufen, wird er nach achtjähriger Haft in Rom als Ketzer lebendig verbrannt.

Bruno postulierte die Unendlichkeit des Weltraums. Er stellte sich damit der herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Was jedoch für die damalige Zeit noch schwerer wog, war, dass er die Personalität Gottes in Frage stellte und eine pantheistische Anschauung vertrat. Gott war für ihn nicht außerhalb, sondern in der Welt, identisch mit der Natur. Daraus folgte für ihn, dass der Mensch nicht nach der Erkenntnis eines übernatürlichen Wesens sondern nach der Erkenntnis der Natur streben muss. Der Begriff „Natur“ bezieht sich dabei nicht auf eine als unantastbar verstandene Grösse, sondern auf ein der Zeit entsprechendes Verständnis der Realität, die es zu begreifen und von Fehlglauben zu befreien galt. Obwohl er Erkenntnisgewinn nicht wie sein Zeitgenosse Galileo Galilei als analytisch-wissenschaftliche Methode verstand, hätte Giordano Bruno als Vertreter der naturphilosophischen Methode wohl auch anerkannt wie viel mystisches Potenzial zur Faszination in der wissenschaftlichen Erkenntnis verborgen liegt und die Verbindung dieser beiden so unterschiedlich konnotierten Begriffe unterstützt.

Am Ort seiner Hinrichtung, dem Campo dei Fiori, errichtete 1889 die laizistisch regierte Stadtgemeinde Rom für Giordano Bruno ein Denkmal. Erst im Jahr 2000 erklärt eine theologische Kommission des Vatikans die Hinrichtung Giordano Brunos für Unrecht.

Die Lebensgeschichte des Giordano Bruno zeigt, dass er fürwahr versuchte, seinem eigenen Leitsatz gerecht zu werden:

Wer richtig urteilen will, muss sich von der Gewohnheit des Glaubens frei machen, muss zunächst Behauptung und Gegenbehauptung für gleichermaßen möglich gelten und vollständig jede Voreingenommenheit fahren lassen, die ihm vom Mutterleibe an eingeimpft worden ist.

– Giordano Bruno