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Die Welt verbessern mit Banking – Teil 1

on 15. November 2013

Berufskarrieren, die typischerweise für ethisch gehalten werden, versuchen, Probleme «direkt» zu lösen. Ärztinnen und Entwicklungshelfer können als «Direct Benefiters» klassifiziert werden. Ein Problem solcher Karrieren ist aber die Ersetzbarkeit: Die meisten dieser Jobs würden von anderen, ähnlich kompetenten Personen ausgeführt, wenn ich sie nicht ausführen würde. In diesem Fall gilt leider: Ich bewirke kaum etwas.

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Indirect Benefiters

Es liegt daher nahe, nach «indirekten» Tätigkeiten zu suchen. Zum Beispiel: Spenden! Bin ich ersetzbar, wenn ich einen beträchtlichen Anteil meines Einkommens spende? Vermutlich nicht. Denn die Person, die meinen Job hätte und mein Geld verdienen würde, würde es höchstwahrscheinlich nicht an die vielversprechendsten Organisationen weitergeben.

Daher schlägt der Ethiker William MacAskill Studierenden vor, eine Karriere als professioneller Spender ins Auge zu fassen. Nicht wenige setzen dies bereits in die Tat um. Die Washington Post titelte: Join Wall Street. Save the World. Manche spenden 50 Prozent ihres Einkommens, andere alles über einem Schwellenwert von etwa 30’000 Dollar.

Was Geld bewirken kann

Die Banking-Karriere eignet sich wegen der hohen Löhne zwar besonders gut für das professionelle Spenden. Aber sie provoziert die Frage nach den «schmutzigen Händen». Nehmen wir zur Illustration deshalb ethisch unkontroverse Berufe wie Ärztin oder Gymnasiallehrer: Wenn ich um die 10’000 Franken verdiene und davon bloss 10 Prozent spende, kann ich monatlich einige hundert (!) Kinder vor schlimmen Wurmkrankheiten retten, was sich auch positiv auf Bildung und Wirtschaft auswirkt.

Die Wirkung vervielfachen

Das professionelle Spenden empfiehlt sich auch dann, wenn wir empirisch zum Schluss kommen, dass zivilgesellschaftlich-politisches Engagement längerfristig mehr bewirken wird als die genannten medizinischen Massnahmen. Statt selbst eine entsprechende Stelle anzunehmen, die ansonsten auch besetzt würde, kann ich als professioneller Spender im zivilgesellschaftlich-politischen Bereich mehrere Stellen schaffen, die es ansonsten nicht gäbe.

Dazu muss ich nicht superreich sein: Mit 10’000 Franken kann ich bis zu drei Personen ein Grundeinkommen von 2500 Franken bezahlen. Mit diesem Einkommen gehören wir nach wie vor zum erlesenen Kreis der welthistorisch reichsten Menschen. Ebenfalls gehören wir dann (hoffentlich) zum Kreis derjenigen, die sich ernsthaft und strategisch klug bemüht haben, «etwas zu bewirken» bzw. «etwas Sinnvolles zu tun». Dies motiviert mehr und mehr Studierende, Berufswege einzuschlagen, bei denen sie möglichst viel verdienen.

Gewinnt die Bankerin?

Wenn ich mehr verdiene, kann ich mehr spenden und – mit klugem Mitteleinsatz – meine Wirkung vervielfachen. Schwingt der Banker als professioneller Spender daher ethisch obenaus? Was ist mit den möglicherweise «schmutzigen Händen» und der «persönlichen Integrität»? Was mit der längerfristigen Motivation? Und was schliesslich mit den Alternativen für den «Indirect Benefiter», etwa mit Forschung oder ideellem «Influencing»? Fragen über Fragen, die interessante Antworten bereithalten.

Fest steht jedenfalls: Die möglichen Nachteile einer professionellen Spenderkarriere im Banking-Bereich sind kein Knockdown-Argument. Denn die Nicht-Annahme einer entsprechenden Stelle hat ihrerseits grosse ethische Nachteile – das Ausbleiben der Spendenfolgen.

Dieser Artikel wurde ursprünglich bei NZZ Campus publiziert.
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Serie: Die Welt verbessern mit Banking

  1. Die Welt verbessern mit Banking – Teil 1
  2. Die Welt verbessern mit Banking – Teil 2